Erst vor Kurzem habe ich Uncharted 2 als die beste Einzelspieler-Erfahrung in diesem Jahr bezeichnet, das Action-Adventure muss nun aber BioWares Mega-Rollenspiel weichen. Ich habe Dragon Age: Origins inzwischen durchgespielt und es ist einfach fantastisch!
Nachdem ich die zwei Bücher gelesen und für gamona die Dragon Age-Fansite mit Inhalten gefüllt habe, kannte ich mich bereits vor Release des Spiels bestens mit der Welt von Thedas und Ferelden aus. Einige Enthüllungen im Spiel wären sicher nicht ganz so dramatisch ausgefallen, wenn ich nicht die Vorgeschichte schon kannte und doch bin ich in der Hinsicht etwas enttäuscht, denn gerade im zweiten Buch (The Calling) gab es interessante Informationen zu den Darkspawn und den Grey Wardens, die im Spiel nicht aufgegriffen wurden. Noch nicht. Schließlich will BioWare Dragon Age 2 Jahre lang via Download mit neuen Inhalten füllen, die Hoffnung auf eine Fortsetzung der Geschichte ist also nicht verloren. Vielleicht erscheint auch noch ein drittes Buch, wer weiß.
Erzählerisch ist Dragon Age: Origins ein Meisterwerk, zwar ist die grundlegende Story alles andere als originell, aber trotzdem hat BioWare es geschafft dem Ganzen eine eigene Note zu verleihen und es in der Tat finsterer zu gestalten. Dabei ist es nicht nur primär der Kampf gegen die Bedrohung durch die Darkspawn, der einen vorantreibt – ständig trifft man neue Charaktere mit ganz eigenen Problemen und Konflikten, die es zu lösen gilt und die dem Haupt-Storystrang in Sachen Spannung in nichts nachstehen. Natürlich ist nicht jeder Abschnitt im Spiel gleichermaßen toll, Orzammar und die Deep Roads fand ich beispielsweise zu lang und auch etwas öde. Umso besser gefiel mir der Brecilian Forest, in dem man erneut auf klassische Fantasy-Wesen trifft, die aber ganz anders dargestellt werden.
Spielerisch orientiert sich Dragon Age an BioWares Baldur’s Gate oder KotoR. Ersteres habe ich nicht gespielt (*schäm*) und mit zweiterem bin ich nie wirklich warm geworden, das Kampfsystem konnte mich einfach nicht fesseln. Wenn ich schon mit Lichtschwertern kämpfe, dann doch bitte im Jedi Knight-Style. Wie auch immer, obwohl Dragon Age das gleiche bzw. ein sehr ähnliches System nutzt, gefällt es mir dieses mal richtig gut, nicht zuletzt weil es verdammt anspruchsvoll sein kann. Selbst auf der Schwierigkeitsstufe „Normal“ sollte man sich schleunigst angewöhnen, die Quicksave-Taste vor und nach den Kämpfen zu nutzen. An einigen Stellen wurde es zwar frustrierend, aber es war nie unmöglich, einen Kampf zu schaffen und so ist es mir lieber, als wenn ich ohne Probleme durch das Spiel rase.
Meine Gruppe bestand übrigens aus Leliana, Wynne und Alistair – Ranged DD, Healer und Tank – und ich selbst habe einen Rogue (Assassin/Duelist) gewählt, meine Origin Story war die der Dalish Elves. Es ist schon fast schade, dass man nur drei weitere Mitglieder in der Gruppe haben kann, denn jede der einzigartigen Persönlichkeiten ist interessant. Am Ende der Geschichte hatte ich wirklich das Gefühl meine drei Gefährten zu kennen. Ein weiterer Grund – neben all den Entscheidungen, die man trifft und den Origin-Stories – das Spiel nochmal durchzuspielen.
Die Grafik gehört wohl zu den größten Schwächen von Dragon Age, obwohl Charaktere und Architektur durchaus beeindrucken können. Nur die Landschaften sehen teilweise schlicht hässlich aus, etwa wenn man von der großen Brücke Ostagars in die Ferne schaut, sieht man nur matschig aufgelösten Boden und ein paar vereinzelte Bäume. Generell ist die Qualität der Umgebungstexturen nicht die Beste. Insgesamt macht es trotzdem einen stimmigen Eindruck und was bei der Grafik fehlt, wurde bei der Soundkulisse wiedergutgemacht. Die (engl.) Sprachausgabe, die Musik, die Kampfgeräusch – alles auf dem höchstmöglichen Niveau. Allerdings mag es wie ein Rückschritt gegenüber Mass Effect wirken, dass der eigene Charakter keine Stimme hat.
Fazit: Mit über 50 Stunden Spielzeit und noch vielen weiteren Stunden, die vor mir liegen, kann ich ruhigen Gewissens sagen, dass Dragon Age wahrhaftig mein Spiel des Jahres ist, wenn nicht sogar der vergangenen Jahre. Zuletzt konnte mich das Universum von Mass Effect so in seinen Bann ziehen, nur war ME spielerisch lediglich „gut“. Dragon Age kann in nahezu jeder Kategorie überzeugen und ich freue mich bereits auf den zusätzlichen DLC seitens BioWare und die neuen Inhalte aus der Mod-Community. Wenn ihr euch meinen Charakter mal anschauen wollt, dann könnt ihr das auf BioWares Social-Network-Seite tun (Klick). Dort werden außerdem sämtliche Mod-Projekte verwaltet und bereits jetzt gibt es interessante Ansätze.







