
Verpasst: Heavenly Sword
20. Juni 2009Ich habe schonmal einen ähnlichen Artikel zu God of War geschrieben – eine Spielreihe die bei Release an mir vorbei ging und die ich dann nachgeholt habe. Daraus wird jetzt eine Rubrik, dieses mal: Heavenly Sword (2007).
Heavenly Sword ist ein Playstation 3 exklusives Action-Adventure vom Entwickler Ninja Theory. Heute um ca. 16 Uhr kam das Spiel bei mir an und kurz nach Mitternacht war ich durch. Damit wäre auch eine der einzigen Schwächen des Spiels aufgedeckt: Es ist zu kurz! Nach ungefähr sechs Stunden flackern die Credits über den Bildschirm. In dieser kurzen Spielzeit wurde ich aber hervorragend unterhalten und hatte fast nichts zu meckern.
In Heavenly Sword übernimmt man abwechselnd die Kontrolle über Nariko – einer jungen Kämpferin – und Kai, Freundin von Nariko und begabte Arm- brustschützin. Die meiste Zeit verbringt man mit Nariko und schnetzelt sich in bester God of War Manier durch wunderschön gestaltete und strikt lineare Level. Dabei baut Heavenly Sword auf ein solides Kampfsystem – Nariko trägt das namensgebende Schwert und kann frei zwischen drei Haltungen wechseln: Schnelligkeit, Kraft und Distanz. Für jede Haltung gibt’s massig (eher simple) Kombos, die man aber nicht wirklich lernen muss um im Gefecht erfolgreich zu sein. Das Kampfsystem kommt zwar nicht an die Tiefe eines God of Wars heran, macht aber trotzdem Spaß. In Kais Spiel- abschnitten feuert man hauptsächlich mit der Armbrust. Der Clou: Man kann die Geschosse manuell auf das Ziel steuern. Das ist zwar wenig realistisch, macht aber viel Spaß und die Spiel auflockernden Kai-Passagen wurden an den richtigen Stellen eingesetzt. Mit Nariko begegnet man mehreren Bossen, die allesamt fordernd und clever designt sind. Vor allem der Endboss ist ein harter – aber nicht unfairer – Brocken.
Die größte Stärke von Heavenly Sword ist die fantastische Story mit ihren schlichtweg brillianten Charakteren. Ich habe schon lange keinen so herrlich fiesen Oberbösewicht wie den Herrscher Bohan gesehen, der auch noch von drei extrem schrägen Schergen umgeben ist – hier liegen Witz und Grau- samkeit nah beieinander. Die dramatische Geschichte um Nariko, ihren Clan und der Prophezeiung des Schwertes ist filmreif inszeniert und mitreißend. Jeder Charakter wirkt einzigartig, ob gut oder böse. Und das Ende des Spiels ist ebenfalls sehr befriedigend und übermittelt zudem noch eine sinnvolle Botschaft.
Kurzum: Für den Preis von gerade mal 20€ sollte sich kein PS3-Besitzer Heavenly Sword entgehen lassen. Die Story ist super, die linearen Level sind gut durchgestyled – wenn auch nicht überragend – und der Wechsel zwischen Nariko und Kai sorgt für Abwechslung. Der orchestrale Soundtrack, die professionellen, englischen Sprecher und die opulente Optik tragen ihren Teil zur Atmosphäre bei – auch wenn die Framerate teilweise deutlich abstürzt und Narikos langes rotes Haar scheinbar ein Eigenleben besitzt. Heavenly Sword hat eine Metacritic Durchschnittswertung von 79 – für mich ist dieses Spiel selbst nach heutigen Maßstab ein gefühlter mittlerer 80er.
